ZRM: Initiative "Zukunft Rhein-Main" (ZRM)
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Wirbelschleppenproblematik in Flörsheim zieht Kreise
Von: @cf <2013-04-14>
Die Gefahren durch die Wirbelschleppen, die letzte Woche in Flörsheim mehrere Dächer beschädigt haben, finden große Resonanz. Auch die Politik verspricht zu handeln.

Die Wirbelschleppen, die in Flörsheim in der Woche nach Ostern zahlreiche Dachziegel von mehreren Dächern rissen und die Menschen in Angst und Schrecken versetzten, ziehen immer weitere Kreise und wirbeln dabei beträchtlichen Staub auf. Sogar überregionale Medien haben sich mit der Problematik befasst. So gab es z.B. einen ausführlichen Bericht im ZDF-Länderspiegel, in dem auch betroffene Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen. Auch in der Hessenschau gab es ein längeres Video. Eine Bildergalerie der Schäden findet sich auf Dropbox.

Die Stadt Flörsheim hat beim hessischen Wirtschaftsministerium einen Eilantrag gestellt, dass Landungen auf der Nordwestbahn, bei denen Flörsheim überflogen wird, für schwere Flugzeuge verboten werden. Man sieht wegen der Wirbelschleppenschäden die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet. Der Rechtsanwalt der Stadt Schröder sieht gute Erfolgschancen. Auch Raunheim plant einen ähnlichen Antrag (für schwere Flugzeuge die auf der Südbahn landen). Zeitungsberichte gibt es dazu z.B. beim Echo online (Artikel "Eilantrag" und mehrere Links dahinter). Ein Flörsheimer Bürger hat eine Strafanzeige wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung" gestellt (siehe Artikel in der FNP).

Minister Rentsch will die Vorfälle untersuchen lassen. Konsequenzen könne man erst ziehen, wenn über die Ursache der Schäden mehr bekannt sei. Bei Fraport wurde eine Stellungnahme angefordert, es soll auch ein Gutachten erstellt werden. Offenbar besteht bei den Wirbelschleppen noch wissenschaftlicher Forschungsbedarf, vor allem die Wirkungen am Boden sind wohl nicht gut untersucht. Den Antrag von Flörsheim will Rentsch prüfen. Mehr dazu: Pressemitteilung des HMWVL.

Auch die Parteien im hessischen Landtag (es ist Wahlkampf) haben die Wirbelschleppen-Problematik entdeckt. Der SPD-Vorsitzende Schäfer-Gümbel besuchte am Freitag Flörsheim und Raunheim, inspizierte die Schäden und sprach mit betroffenen Bürgern. Das Thema sei unterschätzt worden, meinte Schäfer-Gümbel, und forderte ein rasches Handeln, die Landesregierung sei zu zögerlich. Worin das rasche Handeln bestehen soll, sagte er aber nicht. Auch die Grünen kritisierten die Ignoranz beim Verkehrsministerium. Es reiche nicht, bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf Gutachten zu warten, vielmehr müssten die Vorfälle sofort geprüft und präventive Maßnahmen getroffen werden (siehe Pressemitteilung der Grünen). Die LINKE hat konkrete Vorstellungen, was gegen die Gefahr geschehen soll, nämlich die Schließung der Landebahn. Die FDP verteidigte in ihrer Pressemitteilung Minister Rentsch. Man könne erst Maßnahmen ergreifen, wenn man die Ursachen der Wirbelschleppen analysiert habe. Der SPD gehe es nur um Publicity, nicht um die Sache.

Derweil hat der Raunheimer Bürgermeister (und Vorsitzender der Fluglärmkommission) Jühe an einer anderen Front eine Baustelle eröffnet und sich bei den Bürgerinitiativen unbeliebt gemacht. In einer Pressemitteilung warf er dem Bündnis der Bürgerinitiativen einen "Tunnelblick beim Schutz der Bevölkerung vor schädlichem Flugverkehr" vor. Das Bündnis würde seine Forderungen nur auf die Neubetroffenen konzentrieren und "in ignoranter und arroganter Weise die Belastungssituation der Altbetroffenen ignorieren". So sei das Schadensrisiko in Raunheim und Rüsselsheim höher als in Flörsheim. Grund der Schelte ist die Forderung des BBI nach einer Schließung der Nordwestbahn (die Jühe abelehnt), Anlass die Forderung eines Bündnissprechers, bis zur Klärung des Wirbelschleppenproblems Landungen über Flörsheim auszusetzen. Die Kritik gipfelt in der Forderung an das BBI, dafür zu sorgen, das nicht "aus erklärtem Bürgerinitiativen-Engagement für die Region Lobbyarbeit zugunsten eines eingeschränkten Kreises von Fluglärmbetroffenen" werde.

Diese Aussagen blieben natürlich bei den gescholtenen Neu-Betroffenenen nicht ohne Reaktion, es entstand eine Mail-Kontroverse über die Presseverteiler. Dort wird Jühe vorgeworfen, er vertrete einseitig die Interessen von Raunheim (das durch die Nordwestbahn etwas entlastet wurde), während er die neu Betroffenen z.B. im Frankfurter Süden oder unter der Südumfliegung im Regen stehen ließe. So gab es böse Briefe und Leserkommentare in der Presse, Jühe schlug postwendend gleich wieder medial zurück. Der Streit in den Medien freut offenbar die Ausbau-Befürworter, wie man an einem Artikel in der Frankfurter Rundschau mit dem Titel "Ziegelschlag spaltet Fluglärmgegner", dem zugehörigen Kommentar "Einig für sich selbst" und den Leserkommentaren sehen kann. Der SPD-Landtagskandidat für den Frankfurter Süden Ralf Heider unterstützte die Forderung der Frankfurter Bürgerinitiativen nach Rücktritt von Jühe als Vorsitzenden der Fluglärmkommission. Mit seiner Beschimpfung der Neubetroffenen und dem Versuch, die Ausbaugegner zu spalten, habe Jühe "den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielt" (Pressemitteilung HIER).

Das angegriffene BBI reagierte mit vornehmer Zurückhaltung, es wurden nur einige sachliche Vorschläge zu den Wirbelschleppen gemacht und die Aussage, dass in Flörsheim das Risiko wegen der geringeren Überflughöhe höher sei als in Raunheim. Frankfurter Bürgerinitiativen unterstützten gestern nochmals explizit die Bemühungen, die Betrieberlaubnis für die problematischen Überflüge so lange zu entziehen, bis die Wirbelschleppen-Problematik aufgeklärt und die Gefahr genauer abgeschätzt werden kann. Die Frankfurter BIs wiederholten auch ihre Forderung nach dem Rücktritt von Jühe als Vorsitzender der Fluglärmkommission wegen des nicht lösbaren Interessenkonfliktes mit seiner Tätigkeit als Raunheimer Bürgermeister.

Während sich andere noch streiten, kündigte der Deutsche Fluglärmdienst konkrete Maßnahmen an, um die Verursacher der Schäden in Flörsheim besser zu ermitteln. Er will in der Stadt weitere Kameras installieren, die die Einhaltung der Flugspuren überwachen. Eine solche Kamera ist seit November letzten Jahres bereits in Flörsheim in Betrieb. In der aktuellen Pressemitteilung des DFLD findet man die Daten, die der DFLD mit Hilfe dieser Kamera zum letzten Schadenereignis in Flörsheim bereits herausgefunden hat.

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