ZRM: Initiative "Zukunft Rhein-Main" (ZRM)
Diese Seite wird momentan im vereinfachten Darstellungs- und Betriebsmodus präsentiert. Details >>
"NGO-Luftverkehrskonzept" fordert verpflichtende Klima­abgabe.
Pressemitteilung vom 04.08.2015
Von: @BUND Hessen <2015-08-04>
Eine Allianz von NGOs (Nicht­regierungs­organisationen) hat ein alternatives Luftverkehrs­konzept vorgestellt, das zu einem zukunfts­fähigen und umwelt­verträg­lichen Luft­verkehr führen soll.

Pressemitteilung des BUND Hessen vom 04.08.2015

Berlin: Zurzeit erarbeitet das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) federführend das im Koalitionsvertrag vereinbarte Luftverkehrskonzept der Bundesregierung. Auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sind an dem Prozess beteiligt, darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF). Aus Sicht dieser und weiterer NGOs aus den Bereichen Umweltschutz, Lärmschutz und Entwicklungszusammenarbeit vernachlässigt das BMVI die Klimaschutzziele und die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. BUND, BVF, Brot für die Welt, Deutscher Naturschutzring (DNR), Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), Klima-Allianz, Robin Wood und der ökologische Verkehrsclub VCD legen daher ein Luftverkehrskonzept auf Grundlage eigener Datenauswertungen hervor.

Aus dem NGO-Konzept geht hervor, dass es in Deutschland entgegen Verlautbarungen der Luftverkehrswirtschaft keine Infrastrukturengpässe, sondern eine zu große Flughafenkapazität gibt. Statt weiter auszubauen, sollten die sechs großen Flughäfen mit ihren regionalen Nachbarn und mit der Bahn kooperieren, um die Potenziale für die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auszuschöpfen, empfehlen die NGO. Außerdem fehle ein Gesamtkonzept, das wirksame Maßnahmen für Klimaschutz und effektiven Lärmschutz enthalte. Die NGOs fordern, im Luftverkehrskonzept der Bundesregierung global wirksame Klimaschutzmaßnahmen zu verankern, darunter eine Klimaabgabe von zehn Euro auf jede Tonne CO2-Äquivalent im Luftverkehr ab dem Jahr 2020. Diese müsse bis 2030 schrittweise auf 80 Euro erhöht werden.

Als echten deutschen Standortvorteil nennen die NGOs die sechs wirtschaftlich tragfähigen und schon jetzt oder in wenigen Jahren gut an die Schiene angebundenen Flughäfen Frankfurt/Main, München, Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart. Diese wickeln nach Berechnungen der NGOs fast 85 Prozent des Flugverkehrs ab. "Sechs Flughäfen sichern den Anschluss an interkontinentale Verbindungen, die nur zehn Prozent aller Flüge ausmachen", sagte Werner Reh, Luftverkehrsexperte des BUND. "Nirgendwo in Deutschland gibt es Bedarf für neue Start- und Landebahnen. Überall in der Bundesrepublik wurden Kapazitäten massiv ausgebaut, doch an 20 Flughäfen ist der Flugverkehr rückläufig. Fehlplanungen müssen korrigiert und unnötige Flughäfen dürfen nicht mehr staatlich alimentiert werden", kritisierte Reh. Das NGO-Luftverkehrskonzept zeige auch deutlich, dass von einer Benachteiligung des Luftverkehrs in Deutschland und Kapazitätsengpässen nicht die Rede sein könne. Flughafenkooperationen mit nicht ausgelasteten Flughäfen wie Nürnberg, Köln/Bonn und Leipzig/Halle seien die richtige Strategie.

200.000 im NGO-Konzept konkret benannte Flüge könnten nach den Berechnungen der NGOs in den nächsten Jahren ohne Zeitverlust für Passagiere und ohne neue Investitionen in die Infrastruktur auf die Schiene verlagert werden. "Das Airrail-System erweist sich als gute Lösung und kann auf die dafür geeigneten Strecken ausgeweitet werden. Flughäfen, Airlines und Bahn-Fernverkehr müssen viel enger kooperieren. Der Gepäcktransport für Zubringer- und Verteilverkehr zu Drehkreuzflughäfen und das Bahnangebot insgesamt müsste durch Sprinterzüge und mehr Zuverlässigkeit und Komfort optimiert werden", sagte Michael Müller-Görnert vom VCD.

Helmut Breidenbach, Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), forderte schnell wirksame und effektive Maßnahmen zur Reduzierung des Fluglärms. "Durch den Einsatz größerer Flugzeugmuster und dichtere Bewegungsfolgen nimmt Fluglärm sogar wieder zu. Wir brauchen Lärmminderungskonzepte an den Flughäfen mit konkreten Reduktionszielen, die zunächst durch Obergrenzen den Lärm limitieren und dann in Jahresschritten senken. Bis zum Erreichen dieser Ziele müssen verstärkt Betriebsbeschränkungen greifen, vor allem in der Nacht und den Nachtrandstunden von 22 bis 23 Uhr und 5 bis 6 Uhr. Wir brauchen auch eine Reform der Lärmentgelte. Sie machen nur ein Prozent der Betriebskosten der Airlines aus und sind deshalb bisher wirkungslos", sagte Breidenbach.

Besondere Bedeutung misst das NGO-Luftverkehrskonzept der Einführung einer Klimaabgabe zu. Die Einnahmen daraus müssten zu einem festgelegtem Anteil für die UN-Klimafonds "Green Climate Fund" oder "Adaptation Fund" verwendet werden. "Damit können Programme zur Minderung von Treibhausgasemissionen und Klima-Anpassungsmaßnahmen in den wirtschaftsschwächsten und vom Klimawandel besonders betroffenen Ländern finanziert werden", sagte Annegret Zimmermann, Referentin für Klimagerechtigkeit von "Brot für die Welt". Non-CO2-Emissionen, also Klimaeffekte durch weitere Emissionen, die in höheren Luftschichten eine besonders schädliche Klimawirkung haben, müssten schrittweise einbezogen werden.

Das Konzept "Carbon Neutral Growth" der Luftverkehrswirtschaft, das zurzeit in der Internationalen Zivilen Luftfahrtorganisation (ICAO) verhandelt wird, bewerten die NGOs als klimapolitisch untauglich, da es keine Reduzierung der klimawirksamen Emissionen des Luftverkehrs bewirke und Non-CO2-Emission nicht einbeziehe. Auch die vorgesehene Nutzung von Biomasse in großem Umfang lehnen die Verbände aus ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Gründen ab. "Wir dürfen nicht die Jahresproduktion von Biomasse, die einen Menschen ein Jahr lang ernährt, in wenigen Flugminuten verbrennen", warnte Monika Lege, Verkehrsreferentin von Robin Wood.

Themen hierzuAssciated topics:

Luftverkehr Klimaschutz Klimaeinflüsse des Flugverkehrs Bundesregierung (Deutschland) Pressemitteilungen des BUND Hessen

Das könnte Sie auch interessierenFurther readings:
Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
Von: @PFV <2002-07-01>
   Mehr»
DLR Projekt "Leiser Flugverkehr"
Links auf im Internet verfügbare Dokumente Stand September 2010
Von: @cf <2010-09-05>
   Mehr»
RMI fordert Analyse des Strukturwandels im Luftverkehr
Brief an Ministerpräsident Koch
Von: @Rhein-Main-Institut <2005-08-12>
Das Rhein-Main-Institut fordert Ministerpräsident Koch auf, einen Szenario-Prozess einzuleiten, der die Auswirkungen des Strukturwandels im Luftverkehr auf den Frankfurter Flughafen untersucht. Die Ausbau-Entscheidung dürfe nicht auf Grundlage überholter Prognosen getroffen werden.   Mehr»
Erörterungstermin - Bericht vom 22.09.2005
Der Gutachterstreit - ist die Luftverkehrsprognose der Fraport zu hoch?
Von: @cf <2005-09-22>
   Mehr»
Erörterungstermin - Bericht vom 23.09.2005
Ministerium lehnt Anträge auf Abbruch des Verfahrens ab
Von: @cf <2005-09-23>
   Mehr»
Erörterungstermin - Bericht vom 26.09.2005
Luftverkehrsprognose: viele Forderungen nach neuem Gutachten
Von: @cf <2005-09-26>
   Mehr»
BUND: Kapazitätsgutachter hat gelogen
(Pressemitteilung vom 05.12.2005)
Von: @BUND Hessen <2005-12-05>
Der Kapazitätsgutachter der Fraport hat das Regierungspräsidium Darmstadt im Erörterungstermin belogen. Der BUND legte am letzten Freitag im Erörterungstermin hierfür gleich zwei Belege vor.   Mehr»
Bundespräsident Horst Köhler fertigt Gesetz zur Neuregelung der Flugsicherung nicht aus
Pressemitteilung vom 24.10.2006
Von: @Bundespräsidialamt <2006-10-24>
Bundespräsident Horst Köhler wird das Gesetz zur Privatisierung der Flugsicherung wegen verfassungsrechtlicher Bedenken nicht unterschreiben   Mehr»
BUND: Neues Flughafenkonzept der Bundesregierung mangelhaft
Kapazitäten effizient nutzen statt Flughäfen ausbauen(PM 07.08.2008) (PM vom 19.06.2008)
Von: @BUND Hessen <2008-08-07>
Der BUND forderte heute die Bundesregierung und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee auf, den Entwurf des Flughafenkonzepts dringend nachzubessern.    Mehr»
Bundeskabinett beschließt Regelungen zur Flugsicherung
Pressemitteilung BMVBS vom: 11. März 2009, Nr.: 44/09
Von: @Bundesverkehrsministerium <2009-03-12>
Das Bundeskabinett hat beschlossen, dass zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums das Grundgesetz und andere Luftverkehrsvorschriften geändert werden sollen. Die Flugsicherung wird nicht privatisiert.   Mehr»
Emissionshandel für den Luftverkehr
Pressemitteilung vom 07.08.2009
Von: @Umweltbundesamt (UBA) <2009-08-07>
Die Vorbereitungen für den Emissionshandel für den Luftverkehr laufen auf Hochtouren. Luftfahrzeugbetreiber müssen jetzt aktiv werden, um künftig kostenlose Zertifikate zu erhalten   Mehr»
Umweltfolgen des Flugverkehrs werden nicht bezahlt
Neues Gutachten des UBA über externe Kosten des Flugverkehrs (PM vom 29.10.02)
Von: @Umweltbundesamt <2002-10-30>
   Mehr»
BUND: Ticona bringt Vorzugsvariante der Fraport zum Absturz
Pressemitteilung vom 30.01.2004
Von: @BUND <2004-01-30>
   Mehr»
China: Hochgeschwindigkeitszug statt Flugzeug
Von: @cf <2010-07-18>
Der zunehmende Einsatz von superschnellen Zügen zwischen den chinesischen Metropolen bringt die Fluggesellschaften in Bedrängnis   Mehr»
VCD: Grün rechnen reicht nicht aus!
Pressemitteilung vom 14.01.2013
Von: @Verkehrsclub Deutschland (VCD) <2013-01-14>
Der VCD kritisiert die neue Kampagne der Luftverkehrswirtschaft zur "Aufklärung” über Treibstoffverbrauch".   Mehr»
Luft­ver­kehrs­steu­er: Keine ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Ar­beits­plätze
Von: @cf <2013-10-10>
Prof. Thiessen hat ein neues Gutachten zur Wirkung der Luftverkehrssteuer auf Wachstum und Arbeitsplätze veröffentlicht. Er sieht keine Beeinträchtigung durch die Steuer.   Mehr»
BBI: BDL hat nichts dazugelernt
Pressemitteilung vom 15.01.2014
Von: @Bündnis der Bürgerinitiativen <2014-01-15>
Das BBI begrüßt ein nationales Luftverkehrskonzept, hat aber beim Inhalt ganz andere Vorstellungen als der Bundes­verband der deutschen Luft­verkehrs­wirtschaft.   Mehr»
Luftverkehrs­industrie stellt Entwurf für Luftverkehrs­konzept vor
Von: @cf <2014-01-16>
Die Luft­verkehrs­wirtschaft hat ihre Forderungen für ein nationales Luftverkehrs­konzept vorgestellt. Die Forderung nach Nacht­flügen sorgt für Unruhe (aktualisiert 17.01.14)   Mehr»
BBI: EU gibt ehrgeizige Klimaschutzziele im Luftverkehr auf
Pressemitteilung vom 04.02.2014
Von: @Bündnis der Bürgerinitiativen <2014-02-04>
Das Bündnis der Bürger­initiativen ist dagegen, dass auf inter­nationalen Druck die Richtlinie zum Emissions­rechte­handel geändert werden.   Mehr»
Bundesverfassungsgericht verhandelt über Luftverkehrssteuer
Von: @Bundesverfassungsgericht <2014-05-07>
Das Bundes­verfassungs­gericht verhandelt am 20. Mai 2014 über die Klage des Landes Rheinland-Pfalz gegen die Luftverkehrs­steuer. Ergänzende Informationen des Gerichts und die Verhand­lungs­gliederung hier    Mehr»
BVG: Normenkontrollantrag gegen Luftverkehr­steuergesetz erfolglos
Von: @Bundesverfassungsgericht <2014-11-05>
Das Bundes­verfassungs­gericht hat entschieden, dass die Luftverkehrssteuer mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Weder das Gleichheitsgebot noch die Berufsfreiheit der Luftverkehrs­unternehmen und der Passagiere werden durch das Gesetz verletzt.   Mehr»
ZRM: "Flüge auf die Schiene!"
Pressemitteilung vom 16.12.2014
Von: @Initiative Zukunft Rhein-Main <2014-12-16>
Die Initiative Zukunft Rhein-Main sieht sich durch die neue Studie des BUND in ihrer Forderung bestätigt, Kurz­strecken­flüge auf die Schiene zu verlagern. Die Landes­regierung müsse jetzt handeln   Mehr»
Pressemitteilung des BBI:
BBI: Weckruf an die UN-Klimakonferenz in Paris
Von: @Bündnis der Bürgerinitiativen <2015-12-10>
Das Bündnis der Bürger­initiativen fordert von der UN-Klimakonferenz wirksame Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen durch den Flugverkehr.    Mehr»
Die Bildrechte werden in der Online-Version angegeben.For copyright notice look at the online version.

Bildrechte zu den in diese Datei eingebundenen Bild-Dateien:

Hinweise:
1. Die Bilder sind in der Reihenfolge ihres ersten Auftretens (im Quelltext dieser Seite) angeordnet.
2. Beim Anklicken eines der nachfolgenden Bezeichnungen, wird das zugehörige Bild angezeigt.
3, Die Bildrechte-Liste wird normalerweise nicht mitgedruckt,
4. Bildname und Rechteinhaber sind jeweils im Dateinamen des Bildes enthalten.